Der Strom ist weg, im Sicherungskasten ist ein Schalter umgelegt – aber welcher, und warum eigentlich? Im Alltag sagt fast jeder „die Sicherung ist rausgeflogen“, egal was tatsächlich ausgelöst hat. Dabei stecken hinter diesem einen Wort mehrere Bauteile mit ganz unterschiedlichen Aufgaben. Wer den Unterschied kennt, versteht sofort, was passiert ist – und ob ein Handgriff reicht oder ein Fachbetrieb gefragt ist.
Kurz beantwortet
Der LS-Automat (umgangssprachlich oft „Sicherung“) schützt die Leitung vor Überlastung und Kurzschluss. Der FI-Schalter (offiziell RCD, Fehlerstrom-Schutzschalter) schützt Menschen vor gefährlichem Fehlerstrom, etwa bei einem beschädigten Gerät. Ein FI/LS-Kombischalter vereint beide Funktionen in einem Bauteil. Beide sitzen im gleichen Verteilerkasten, haben aber unterschiedliche Aufgaben – ein Blick auf die Beschriftung zeigt, welcher Typ ausgelöst hat.
Warum „Sicherung“ heute meist ein LS-Automat ist
Der Begriff „Sicherung“ stammt von der klassischen Schmelzsicherung, auch Schraubsicherung genannt. Darin schmilzt bei Überlastung ein dünner Draht durch – die Sicherung ist danach kaputt und muss ausgetauscht werden. Diese Bauform ist in modernen Installationen kaum noch zu finden.
An ihre Stelle ist der Leitungsschutzschalter getreten, kurz LS-Automat oder international MCB. Seine Aufgabe ist der Leitungsschutz: Er überwacht eine einzelne Stromkreis-Leitung und löst aus, wenn zu viele Geräte gleichzeitig zu viel Strom ziehen (Überlast) oder wenn ein Kurzschluss auftritt. Der große Vorteil gegenüber der alten Schmelzsicherung: Ein LS-Automat muss nach dem Auslösen nicht ersetzt werden, sondern lässt sich einfach zurückschalten – vorausgesetzt, die Ursache ist behoben.
FI-Schalter: der Schutz für Menschen
Der FI-Schalter – offiziell Fehlerstrom-Schutzschalter oder RCD (Residual Current Device) – hat eine andere Aufgabe als der LS-Automat: Er schützt nicht die Leitung, sondern den Menschen. Er misst ständig, ob genauso viel Strom zurückfließt, wie hineinfließt. Fließt ein Teil des Stroms auf einem anderen Weg ab, etwa über einen Menschen, ein feuchtes Kabel oder ein defektes Gerät, entsteht ein sogenannter Fehlerstrom. Der FI-Schalter erkennt diese winzige Differenz in Millisekunden und trennt die Stromversorgung, bevor es gefährlich wird.
Genau hier liegt die häufigste Verwechslung: LS-Automat und FI-Schalter sitzen nebeneinander im Verteiler und sehen auf den ersten Blick ähnlich aus – der FI-Schalter ist meist an einer zusätzlichen Test-Taste erkennbar. Aber sie reagieren auf völlig unterschiedliche Fehler. Ein LS-Automat schützt die Installation vor Überlastung. Ein FI-Schalter schützt Sie selbst vor einem elektrischen Schlag.
FI/LS-Kombischalter und Hauptschalter
In neueren Installationen finden sich zunehmend FI/LS-Kombischalter, auch RCBO genannt. Sie vereinen den Leitungsschutz des LS-Automaten und den Personenschutz des FI-Schalters in einem einzigen Bauteil für einen Stromkreis.
Nicht zu verwechseln damit ist der Hauptschalter, auch Hauptsicherung oder SLS (Selektiver Hauptleitungsschutzschalter) genannt. Er sichert nicht einen einzelnen Stromkreis, sondern die gesamte Elektroinstallation eines Gebäudes ab. Löst der Hauptschalter aus, ist meist die komplette Wohnung oder das Haus ohne Strom – ein deutlich selteneres und ernsteres Ereignis als ein einzelner LS-Automat.
So gehen Sie vor, wenn ein Schalter ausgelöst hat
Wenn der Strom in einem Bereich der Wohnung ausfällt, hilft ein ruhiger Blick in den Verteilerkasten:
- Öffnen Sie den Verteiler und suchen Sie den Schalter, dessen Hebel in Mittel- oder Aus-Stellung steht – bei den meisten anderen zeigt der Hebel nach oben.
- Prüfen Sie die Beschriftung: Steht dort ein Stromkreis wie „Küche“ oder „Steckdosen Wohnzimmer“, handelt es sich meist um einen LS-Automaten. Steht dort „FI“ oder „RCD“, ist der Personenschutz ausgelöst.
- Schalten Sie den Hebel einmal wieder nach oben.
- Löst der Schalter sofort wieder aus, versuchen Sie es nicht erneut. Das ist ein deutliches Warnzeichen für einen echten Fehler, zum Beispiel einen Kurzschluss oder einen Isolationsfehler.
Der einmalige Rückschaltversuch ist die einzige Handlung, die als Laie unbedenklich ist. Springt der Schalter danach zuverlässig wieder heraus, ist das kein Zufall, sondern ein Signal aus der Elektroinstallation.
Ab wann Sie einen Elektriker rufen sollten
- Der Schalter löst sofort wieder aus, sobald Sie ihn zurückschalten.
- Brandgeruch, Verfärbungen oder ein auffällig warmer Sicherungskasten.
- Der FI-Schalter löst wiederholt aus, ohne dass ein bestimmtes Gerät als Ursache erkennbar ist.
- Nach einem Wasserschaden oder bei sichtbar beschädigten Kabeln, Steckdosen oder Schaltern.
- Sie sind unsicher, welcher Schalter betroffen ist oder wie der Verteiler beschriftet ist.
Ein wiederholt auslösender Schutzschalter zeigt einen echten Fehler in der Elektroinstallation an. Die Fehlersuche und Reparatur an fest verlegten Leitungen und im Verteiler ist gesetzlich Elektrofachkräften vorbehalten – zum eigenen Schutz, denn ein falscher Eingriff kann lebensgefährlich sein.
Bleibt nach dem Blick in den Verteiler eine Unsicherheit, klären wir das kurz am Telefon – zum Beispiel rund um Sicherungen und FI-Schalter. Fliegt ein Schalter immer wieder sofort heraus oder ist der Strom akut ausgefallen, ist unser Notdienst der richtige Ansprechpartner. Die telefonische Beratung ist kostenlos und unverbindlich, Sie erreichen uns unter 0176 42876194.